Bilanz: 3. Bonner Konferenz für Entwicklungspolitik 30./31. Januar 2012

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31. Januar 2012

Ein Jahr Autofahren – oder 26 Jahre Essen? / Bilanz: 3. Bonner Konferenz für Entwicklungspolitik 30./31. Januar 2012

Mit rund 700 Teilnehmern am zweiten Konferenztag geht die 3. Bonner Konferenz für Entwicklungspolitik im World Conference Center Bonn zu Ende. Im Mittelpunkt stand die Bedeutung von Konsum- und Lebensstilen für die Entwicklungspolitik. Für die Landesregierung sagte der Staatssekretär für Bundesan­gelegenheiten, Europa und Medien, Marc Jan Eumann, von der Bonner Konferenz gehe ein deutlicher Impuls aus, bei der im Sommer 2012 anstehenden Rio+20-Konferenz, die Nachhaltigkeitsdebatte stärker mit entwicklungspolitischen Fragen zu verbinden.

Die Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien teilt mit:

Mit rund 700 Teilnehmern am zweiten Konferenztag geht heute die 3. Bonner Konferenz für Entwicklungspolitik im World Conference Center Bonn zu Ende. Im Mittelpunkt stand die Bedeutung von Konsum- und Lebensstilen für die Entwicklungspolitik.

Für die Landesregierung sagte der Staatssekretär für Bundesan­gelegenheiten, Europa und Medien, Marc Jan Eumann, von der Bonner Konferenz gehe ein deutlicher Impuls aus, bei der im Sommer 2012 anstehenden Rio+20-Konferenz, die Nachhaltigkeitsdebatte stärker mit entwicklungspolitischen Fragen zu verbinden.

Trotz kontrovers geführter Debatten zwischen Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft kristallisierte sich eine gemeinsame Botschaft auf der international besetzten Tagung heraus: Eine Überlebensperspektive für die Menschheit wird es nur geben, wenn eine globale gesellschaftliche Transformation zu weniger energie- und ressourcenintensiven Lebensstilen stattfindet. Damit müsse gleich­zeitig eine stärkere Partizipation der Bevölkerung einhergehen.

Im Mittelpunkt stehen dabei die reichen Industrieländer des Nordens. Gerade sie müssten zeigen, dass Wohlstand und Lebensqualität mit einem ökologischen und Ressourcen schonenden Wirtschaften zu er­reichen sei, so Manfred Konukiewitz vom Bundesministerium für Ent­wicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ). Dies sei wichtiger als ein weiterer Ausbau der Entwicklungszusammenarbeit. Deutschland etwa könne mit einer erfolgreichen Energiewende zeigen, dass Nach­haltigkeit und Konsum vereinbar seien.

Dass eine „Green Economy“ nicht automatisch alle Probleme löst, wird beim Blick auf die Details deutlich. So haben etwa die negativen Aus­wirkungen der Agrar-Treibstoffe für die Ökosysteme und die Nahrungs­mittelpreise deutlich gezeigt, dass die Rechnung nicht immer aufgeht: „Der Ertrag von einem Hektar Mais kann für ein Jahr Autofahren, oder aber 26,5 Jahre Brotbacken genutzt werden.“ Das sei die reale Bilanz des „umweltfreundlichen“ Bio-Treibstoffs Ethanol, der vor allem in Brasilien und Nordamerika fossile Treibstoffe ersetzt, stellte Joachim von Braun, Direktor des Zentrums für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn fest.

Alle Redner der Tagung waren sich darüber einig, dass klassisches Wirtschaftswachstum, gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP), nicht alleiniger Motor für die weltweite Überwindung von Hunger, Armut und Erwerbslosigkeit sein kann. Damit stehen sie im Konsens mit den Ergebnissen des Weltwirtschaftsforums in Davos sowie des Weltsozial­forums in Porto Allegre in der vergangenen Woche. Als Grund dafür nannte Brice Lalonde, der Exekutiv- Koordinator der Vereinten Nationen für den Rio+20 Erdgipfel, die Endlichkeit natürlicher Ressourcen, die nicht nur bei fossilen Rohstoffen immer deutlicher zu Tage trete. Da Wirtschaft letztlich ein Subsystem der Natur sei, könne sie nicht einfach unbegrenzt wachsen, sondern die Frage der effizienten Nutzung und gerechten Verteilung der Güter trete in den Mittelpunkt.

So zeigte die prominente indische Aktivistin Vandana Shiva, dass trotz rasantem Wirtschaftswachstum noch immer jeder vierte Inder in Hunger und Armut lebe und der wirtschaftliche Boom die Ungleichheit zwischen armen und reichen Bevölkerungsteilen noch weiter verschärfe. Das Problem mit der klassischen Definition von Wirtschaftswachstum sei, dass zwei andere Formen des Wachstums völlig ignoriert würden: Das Wachstum der Natur sowie der Gesellschaft und damit des sozialen Lebens.
Als großen Erfolg verbuchten die Veranstalter der Konferenz die Bereit­schaft der Teilnehmer, es nicht bei theoretischen Diskursen zu belas­sen. So wurde in einem der Workshops die Forderung an IT-Wirtschaft und BMZ gerichtet, gemeinsam ein „faires“ Handy zu entwickeln, das im Einklang mit den international anerkannten Umwelt- und Sozial­standards produziert wird.

Zahlreiche Teilnehmer wollen die Konferenz als Anstoß zu einem stär­keren bürgerschaftlichen Engagement nutzen, und gemeinsam mit den Veranstaltern an der Umsetzung der Konferenzergebnisse in die Praxis arbeiten. Dass die Zivilgesellschaft mit ihren Aktionen Einfluss auf die Politik nehmen kann, zeigte Selina Juul. Die dänische Aktivistin trug mit ihrer Stop-Wasting-Food-Kampagne entscheidend dazu bei, dass das EU-Parlament kürzlich eine Resolution verabschiedet hat, um die Lebensmittelverschwendung einzudämmen.

Aktuelle Informationen zur Konferenz sowie Bild- und Filmmaterial finden Sie auf der Konferenzwebsite  www.bonn-conference.nrw.de

Bei Nachfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle der Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien, Telefon 0211 837-1399.

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