Georg Stefan Troller – Zeitzeuge und Menschenkenner

Bild des Benutzers Arno Bauermeister
Gespeichert von Arno Bauermeister am 30. Januar 2017
Georg Stefan Troller
27. Januar 2017

Georg Stefan Troller

Zeitzeuge und Menschenkenner

Das lange Berufsleben des Journalisten und Zeitzeugen Georg Stefan Troller besteht aus 1500 Interviews, 170 Filmen und 20 Büchern. In seiner autobiografischen Lesung anlässlich des Gendenktages an die Opfer der NS-Konzentrationslager am 27. Januar nahm der 95-Jährige 300 Gäste der Landesvertretung mit auf eine wahrhaft berührende Zeitreise.

bislang nicht bewertet
 

Georg Stefan Troller sitzt an einem Tisch auf der Bühne des Europasaals. Er drapiert einen kleinen Pappkarton um sein Manuskript, um dahinter den Schein seiner eigens mitgebrachten Leselampe günstig auszurichten. Dann legt er beherzt eine Augenklappe an, die seine rechtseitige Sehschwäche austariert und setzt die Lesebrille auf. Es kann losgehen. Freundlich lächelnd, wendet er sich dem Publikum zu.
 
„Ich notierte ein Leben lang, was aus mir hervorquoll“, sagt er irgendwann, und es klingt fast entschuldigend. Ob seine Lesezeit schon vorbei sei, fragt er später. Nein. Ist sie nicht, und sie wird nie vorbei sein: Seine Zuhörer möchten am liebsten versinken in Trollers literarischem Ur-Strom. An diesem Gedenktag steht die NS-Zeit im Fokus: Drei Monate nach der Rettung der Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 befreite die 7. US-Armee das Konzentrationslager Dachau. Georg Stefan Troller kam als junger GI hinzu – ein junger jüdischer Mann, 1921 in Wien geboren, der nach einer naziverseuchten Jugend 1938 über Frankreich in die USA floh. 1945 sollte er als US-Bürger und Soldat die Kriegsverbrechen der Deutschen dokumentieren – in einem Vernehmungsteam, welches in Dachau kriegsgefangene Nazis verhörte. Der junge Mann war Zeitzeuge, Vertriebener – und Sieger in diesem Krieg.
 
Vor einigen Monaten erst öffnete er einen Koffer. Ein Koffer voller Fotos, Tagebücher, Kriegsnotizen und Briefe aus eben der Zeit. Dokumentierte Gräuel, eigene Liebesbriefe und auch Anekdoten lagen Seite an Seite. Troller verfasst aus diesen Erinnerungsfragmenten auch Kapitel seines jüngsten autobiografischen Buchs „Unterwegs auf vielen Straßen“.  
„Sie haben nie um den heißen Brei herumgeredet – und andere wiederum dazu gebracht, zu deren eigener Wahrheit durchzudringen: als Vernehmer und später als Journalist“, sagte Volker Meier, Bevollmächtigter des Landes NRW, tief beeindruckt. „Und es ist längst auch an uns Jüngeren, das Erinnern und Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus am Leben zu halten.“
 
Die Autobiografie birgt freilich ebenso viele Erinnerungen aus Trollers Radio- und Fernseh-Journalistenleben („Pariser Journal“ und „Personenbeschreibung“). Der 95-Jährige liest jede Episode sehr konzentriert, sehr pointiert – der Abend möchte kaum enden, einfühlsam moderiert von Michael Serrer, dem Leiter des Literaturbüros NRW.
 
Am Ende bleibt das Publikum still beeindruckt und vernehmbar dankbar noch lang an der Seite Trollers, dieses auffallend unprätentiösen Zeitzeugens – musikalisch flankiert von Marc Doffey (Saxophon)  und der Pianistin Clara Haberkamp, die Feinschmeckern aus dem Jugendjazzorchester NRW vertraut sind.
 

Weitere

Pressemitteilungen

Weitere

Informationen

Kontakt

Pressestelle

KEINE ERGEBNISSE

Information

Downloads

Tastatur mit Download-Zeichen
KEINE ERGEBNISSE

Links

Zum Thema

Information