"Für den Job in die Provinz"

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Gespeichert von Anja Yilmaz am 3. Mai 2016
02.05.2016 "Für den Job in die Provinz"
2. Mai 2016

"Für den Job in die Provinz"

Podiumsdiskussion

Es gibt gute Gründe, aus beruflichen Gründen von der Großstadt in die Provinz zu ziehen: Das Wirtschaftspotenzial vor allem der ländlichen Regionen in NRW spricht dafür. Entsprechend offensiv, optimistisch und originell verlief die Podiumsdiskussion in der Landesvertretung: „Was zur Hölle mache ich in dem Kaff?“

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Die Jugend zieht es fort in die weite Welt. Wer sie kennengelernt hat, weiß das Bodenständige und die Mentalität seiner Heimat irgendwann wieder zu schätzen; der kehrt zurück und hat ganz persönlich eine Antwort auf die Frage gefunden, was er „in diesem Kaff soll“.  Die Diskutanten in der „Botschaft des Westens" hatte allesamt eine parat: „Weil das geht:  Heimatverbundenheit und Weltmarkterfolg.“
 
Die Wanderjahre beginnen meist mit einem Studium und ersten Jobs bei nationalen oder internationalen Arbeitgebern. Wanderjahre, Lehrjahre. Doch wer im Job etabliert ist, also vergleichen kann und weiß, unter welchen Bedingungen er selbst sich wohlfühlt und leistungsfähig ist, der sucht und findet sein Glück glatt: in der Provinz. Zumal die Welt dank des Internets überschaubarer, letztlich kleiner geworden ist – und von jedem Ort aus erreichbar.
 
Christina Kampmann, Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW, formuliert es mit Herzblut: „Ich kann zu jungen Menschen mit Überzeugung sagen: Bleibt in Ost-Westfalen! Es gibt dort eine tolle Hochschullandschaft, zukunftsweisende Jobs und familienfreundliche Unternehmen.“ Westfalen-Lippe habe große Potenziale: „Man muss die Region stark machen, den neunen Strukturwandel befördern – auch im Rahmen der Digitalisierung.“
 
Vieles ist zudem eine Frage des Naturells: Mittelständische Strukturen mit klaren, kurzen Entscheidungswegen und großer Innovationskraft sind durchaus identitätsstiftend. Arbeitnehmer können sich wohlfühlen. Es gibt eine Vielzahl an anspruchsvollen und abwechslungsreichen Berufen und einen riesigen Bedarf an „guten Leuten“. Die Einkommen sind gut, die Lebenshaltungskosten niedrig. Kommen dann noch eine gute Verkehrsinfrastruktur, gute Schulen und öffentliche Einrichtungen hinzu, fällt die Entscheidung für eine Zukunft inmitten dieser wohltuenden Natur und einem äußerst sympathischen Menschenschlag leicht:  Heimatverbundenheit und Markterfolg, das geht tatsächlich, tatkräftig. Dr. Ansgar Buschmann, Dozent an der Westfälische Wilhelms-Universität Münster, meint: „Wir profitieren von einer sehr produktiven Unaufgeregtheit.“
 
 Hubertus Winterberg ist Geschäftsführer der Südwestfalen Agentur in Olpe, ein Profi, wenn es um Regionalmarketing und den „Heimvorteil“ der Gegend geht. Die Region habe das, was sich junge Arbeitnehmer und Arbeitgeber wünschen: „Wir erleben in der Generation der zwischen 1980 und 1999 geborenen Menschen einen Wertewandel; ihr sind Authentizität und Werte wichtig. All das können sie hier finden – und die Metropole Ruhrgebiet ist gleich nebenan.“ 
 
Hans-Josef Vogel, Bürgermeister der Stadt Arnsberg, wünscht sich mehr Aufmerksamkeit für die Vorzüge der Region, vor allem in den Medien: „Wir haben neun Weltmarktführer in unserer Region, und es leben Menschen aus 112 Nationen bei uns. Aber wir sitzen in einer Medien-Lücke. Es gibt kaum Positiv-Berichterstattung über unsere Standortvorteile – vermutlich auch, weil wir noch nicht die richtigen Bilder haben.“ Asmus Schütt, Bereichsleiter Kommunikation des Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverbands, pflichtet ihm bei und ergänzt: „Wir brauchen ein Einwanderungsgesetz, sonst vermasseln wir eine weitere Riesenchance, Arbeitskräfte mit Potenzial anzuziehen.“ Hier schlägt Minister Kampmann einen noch größeren Bogen: „Vielleicht müssen wir die Werbetrommeln noch stärker rühren.  Der ländliche Raum kann aber durch sich selbst bestechen, wenn er Persönlichkeit hat, wenn er selbstbewusst zeigt, wofür er steht. Neben dem Vereinsleben und dem Sport sind es vor allem kulturelle Institutionen und Kreativquartiere, die an Orte binden. Kultur ist kein Selbstzweck, sie entfacht und reflektiert gesellschaftliche Entwicklung, schafft Orte, an denen man sich trifft und zu Hause sein kann.“       
 
Der Architekt und Städtebauer Christoph Hesse weiß ebenfalls um die vielen Hidden Champions in der Region – also um jene Firmen, die ohne viel Beachtung Spitze sind. Er dringt darauf, umweltfreundlich zu bauen, weil dies vor allem junge, gute Arbeitskräfte ansiedle. Und er sucht die Nähe zur Philosophie: „Viele der besten Ideen entstanden in der Provinz. Wir sollten diese Orte der Sehnsucht ergründen, das ist sehr deutsch. Und wer an diesem Ort ankommt, der erfährt Erfüllung.“
 
Der Moderator Jörg Thadeusz, ein waschechter Dortmunder, fand seine Erfüllung im Radio- und Fernsehjob ausgerechnet im „Kaff“ Berlin – vorläufig. „Ich habe echte Westfalen-Diskriminierung erlebt, weil ich bis heute Hühnerfrikassee mit Kapern esse“, erzählt er amüsiert. Zumindest diese Heimatverbundenheit hat er in seine Welt getragen.
 

 
 
 

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