Schmerzliche Heimat (30.09.2016)

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Schmerzliche Heimat
30. September 2016

Schmerzliche Heimat (30.09.2016)

Haltung zeigen. Verantwortung übernehmen.

So still, so bedrückend verlässt selten ein Publikum die „Botschaft des Westens“. Doch das Theaterstück „Schmerzliche Heimat“ am Freitag, 30. September 2016, ließ niemanden kalt. Der erste Mord des sog. Terrortrios „NSU“ stand im Mittelpunkt des Theaterstücks.

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So still, so bedrückend verlässt selten ein Publikum die „Botschaft des Westens“. Doch das Theaterstück „Schmerzliche Heimat“ am vergangenen Freitag, den 30. September 2016, ließ niemanden kalt. Lange noch standen viele der fast 120 Gäste nach der Aufführung kleinen Gruppen zusammen, um das gerade Gesehene und Erlebte zu diskutieren und Folgen für das eigene Tun und Lassen zu erörtern.
 
Das Theaterstück, auf die Bühne gebracht durch das Westfälische Landestheater Castrop-Rauxel in Koproduktion mit dem Theater Hof, ist eine Adaption des gleichnamigen Buches von Semiya Simsek. Sie war vierzehn Jahre alt, als ihr Vater, Enver Simsek, im Jahr 2000 erschossen wurde. Enver Simsek war der erste von zehn Morden des so genannten „Nationalsozialistischen Untergrunds“, NSU.
Semiya Simseks Buch speist sich zu großen Teilen aus eigenem Erleben und vor allem aus den Ermittlungsakten. Mit Hilfe des Journalisten Peter Schwarz entstand dann das Erinnerungsbuch: „Schmerzliche Heimat“.
 
In seiner Begrüßung hatte Volker Meier, Bevollmächtigter des Landes Nordrhein-Westfalen, festgehalten: „Was Sie heute hier auf der Bühne sehen, hat sich so zugetragen: Ein Trauma, nach dem vielen die Sprache fehlen würde. Semiya Simsek hat Worte dafür gefunden.“
 
Denn mit viel Disziplin, Fleiß und Liebe zur Familie hatte Enver Simsek sich vom Hilfsarbeiter zum Blumengroßhändler hochgearbeitet: eine deutsche Karriere; eine deutsch-türkische Karriere. Dann der Mord. Ein Trauma für die enge Familienbande der Familie Simsek. Nach dem schrecklichen Mord geriet die Familie in ein zweites Trauma. Die Polizei vermutete Kontakte des Vaters zur Mafia; die Familie stand über Jahre in Verdacht, wurde von Sicherheitsbehörden immer und immer wieder verhört. 
„Wir wurden bedrängt“, sagt Semiya, „wir konnten nicht reinen Gewissens Opfer sein.“
 
Das Ensemble des Westfälischen Landestheaters aus Castrop-Rauxel mit den Schauspielerinnen Anke Jansen und Susanne Kubelka sowie Schauspieler Neven Nöthig bringt das Buch originalgetreu und sehr authentisch in der Fassung des Regisseurs Christian Scholze auf die Bühne.
„Fremdenfeindlichkeit hat in unserer aktiven Parteienlandschaft wieder Namen und Gesichter“, sagte Gastgeber Volker Meier mit Blick auf zahlreiche rechtsextremistische Übergriffe auf Flüchtlinge. „Umso dringender müssen wir – Politiker/innen und Bürger/innen - Haltung zeigen und Verantwortung übernehmen: Haltung gegen Alltagsrassismus und rechtspopulistische Hetze. Und Verantwortung für jene bei uns lebenden Zugewanderten und ihre Nachkommen, denen subtil oder direkt vermittelt wird, unerwünscht zu sein.“
 
Auch diese Botschaft geht von Semiya Simseks Buch und diesem Theaterstück des Westfälischen Landestheaters aus. Die Zuschauerinnen und Zuschauer, so ist die Hoffnung, tragen diese Botschaft auch in die Hauptstadt hinein.
 

 

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