16.11.2016 Frauen auf der Flucht

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24. November 2016

Gesundheitsministerin Barbara Steffens diskutiert Bedürfnisse und Herausforderungen von Frauen auf der Flucht

NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens diskutiert mit Flüchtlingsexpertinnen die besonderen Bedürfnisse und Herausforderungen von Frauen auf der Flucht

Viel Lob und Anerkennung für die vielfältigen Maßnahmen zur Unterstützung und Stabilisierung traumatisierter Flüchtlingsfrauen in NRW erntete Barbara Steffens, Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen (MGEPA) bei einer offenen Diskussion unter dem Titel "Frauen auf der Flucht", zu der die Ministerin in die NRW‑Landesvertretung in Brüssel eingeladen hatte.

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Das Ziel der Veranstaltung teilte Ministerin Steffens den über 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in ihrer Begrüßungsrede mit: Frauen, die auf der Flucht waren oder es gerade sind, solle eine Stimme gegeben werden – „hörbar, hier in Brüssel, in NRW, in Europa, in den Mitgliedstaaten“, so die Ministerin. Dies sei insbesondere deshalb notwendig, da Frauen zwar einen großen Anteil der Menschen auf der Flucht ausmachen – laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) rund 1/3 der in den vergangenen zwei Jahren knapp 300.000 nach NRW geflüchteten Menschen – , deren Gründe für die Flucht und ihr dabei erlebtes Leid jedoch in der Regel wenig bekannt seien und sich von denen der Männer unterscheiden. Zum einen würden Frauen im Gegensatz zu Männern öfter allein und ohne finanzielle Perspektive ihr Heimatland verlassen. Zum anderen seien sie auf den Fluchtwegen neben den körperlichen Strapazen oft größeren Gefahren als Männern ausgesetzt – etwa durch Vergewaltigungen und Misshandlungen. Erst mit der genauen Kenntnis von Fluchtursachen, Fluchtwegen und dem Fluchtleid könnten konkrete politische Maßnahmen vorgenommen werden, die den Anliegen der Frauen nachkommen und ihnen letztlich ihre Würde zurückgeben können.

Ein ähnlich drastisches Bild der Situation der Frauen auf der Flucht zeichnete im Anschluss Frau Maria von Welser. Die Journalistin und Autorin des Buches „Kein Schutz – Nirgends – Frauen und Kinder auf der Flucht“ berichtete anhand eindrucksvoller Bilder über ihre Reisen in Länder wie Syrerin, die Türkei, den Libanon, Jordanien und Eritrea und die Frauen, die sie dort getroffen hat. Darüber hinaus zeigte Frau von Welser sich tief beeindruckt von der teilweise enormen Hilfsbereitschaft einzelner Personen und Personengruppen aus der europäischen Zivilgesellschaft bei der Versorgung und Unterbringung der großen Zahl von Flüchtlingen, die im Winter des Jahres 2015 auf der griechischen Insel Lesbos eingetroffen war. Insbesondere Kinder hätten damals  schnellstmöglich mit Rettungswesten ins Trockene gebracht werden müssen. Deren dankendes Lächeln, so Frau von Welser, die selber mit geholfen hatte, sei die Arbeit wert gewesen.

Nach diesem lebhaften und emotionalen Vortrag, diskutierten die beiden Vorrednerinnen zusammen mit Frau Ulrike Lunacek, Vizepräsidenten des Europäischen Parlamentes, Co-Vorsitzende der Interfraktionellen Gruppe LSBTU*Rechte und Delegationsleiterin der österreichischen Grünen im Europaparlament, Frau Dr. Esther Mujawayo-Keiner aus Ruanda, Soziologin und Traumatherapeutin und Frau Dagmar Schumacher, Direktorin UN-Woman Brussels Office, die besonderen Bedürfnisse und Herausforderungen von Frauen auf der Flucht. Moderiert wurde die Diskussion von Herrn Ralph Sina, dem Studioleiter für Hörfunk WDR/NDR in Brüssel, der selber mehrere Jahre als Korrespondent in Zentral- und Ostaf rika eingesetzt war.

Besonders beeindruckend waren hierbei die Schilderungen von Frau Mujawayo-Keiner, die den Genozid in ihrer Heimat Ruanda 1994 hat miterleben müssen. Nach Verlust eines Großteils ihrer nahen Angehörigen konnte sie sich nach eigener Aussage nur mit Hilfe von Gesprächen mit Frauen, die ähnliches erlebt hatten, davon überzeugen, dass sie durch die Gräueltaten nicht „verrückt geworden“ sei. Frau Mujawayo-Keiner fand so nicht nur ihren Lebensmut zurück sondern auch die Kraft, anderen Menschen bei ihrem Lebensweg zu helfen. „Manchmal sei es schon ausreichend, bei der Aufarbeitung dieselbe Sprache zu sprechen.“, so die heutige Traumatherapeutin.

Die Bedeutung der Sprache bei der Berücksichtigung von frauenspezifischen Fluchtursachen hob auch Frau Lunacek hervor, indem sie anmerkte, dass bereits der Begriff „Flüchtling“ männlich konnotiert sei. Insgesamt sei es notwendig, die mit Flüchtlingsfragen beschäftigten Führungspositionen mit Frauen zu besetzen, um eine angemessene Interpretation der einzelnen Bedürfnisse zu gewährleisten.
Dass diese Herangehensweise vergangene Missverständnisse möglicherweise hätte verhindern können, belegte Frau Ministerin Steffens mit einem Beispiel aus einem Flüchtlingsauffanglager in NRW, bei dem die Aufteilung der Dusch- und Wohnräume für allein reisende Frauen zunächst nicht bedacht wurde. Abgesehen von solchen anfänglichen Unstimmigkeiten, habe das Land bei den großen Flüchtlingsströmen Ende 2015 jedoch mit großem Engagement auf eine menschenwürdige Unterbringung der Geschlechter geachtet. So sei man sich etwa von Anfang an einig gewesen, dass Flüchtlinge in vorhandene Räumlichkeiten wie Turn- oder Mehrzweckhallen statt in Zelten untergebracht werden müssten.

"Was in NRW passiert, ist sehr, sehr gut. Das würde ich mir in vielen europäischen Ländern wünschen", sagte Dagmar Schumacher, Direktorin von "UN Women" in Brüssel. Im Rahmen der Diskussion wies Frau Schumacher noch auf eine Aktion der UN-Women hin, im Rahmen derer am 25.11.2016 anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt gegen Frauen die Brüsseler EU‑Institutionen und auch die Wahrzeichen mit der Farbe Orange angeleuchtet werden sollen. Das orange Licht solle eine hellere Zukunft ohne Gewalt symbolisieren. Die NRW-Landesvertretung beteiligte sich bereits letztes Jahr an dieser Aktion.
Die Veranstaltung schloss Frau Ministerin Steffens mit einem Appell: „Bleiben Sie am Ball, setzen Sie sich weiter für die Rechte der Frauen ein. Denn der Einsatz für Frauenrechte ist nicht nur eine Frage der Menschlichkeit sondern auch von großer gesellschaftlicher Relevanz. Eine globale Welt kann nicht wirklich funktionieren ohne Gerechtigkeit zwischen Süd und Nord und humane Migration. Davon profitieren alle: Herkunftsländer, Aufnahmeländer. Ansonsten drohen immer mehr Krieg, Chaos, Entwurzelung – worunter Frauen fast immer besonders leiden.“

Am Folgendetag führte Ministerin Barbara Steffens und Staatssekretärin Martina Hoffmann-Badache im Rahmen einer Leitungsklausur unter anderem Gespräche mit Herrn Janis A. Emmanouildis vom Think Tank European Politics Center (ECP), Herrn Michael Hager, Kabinettschef von EU-Kommissar Günther Oettinger über die Themen Digitalisierung, eHealth, Frauen und 4.0 sowie Schutz vor Cybermobbing, mit Frau Renate Nikolay, Kabinettschefin von EU-Kommissarin Vera Jourova, über EU-Gleichstellungspolitik und Genderspezifische Integration, mit Herrn Detlef Eckert, Direktor E Qualifikationen der Generaldirektion Beschäftigung, Soziales und Integration (EMPL), über Arbeitskräftemobilität in der EU und Qualifikationsprofile von Gesundheitsfachkräften sowie mit Frau Annika Nowak aus dem Kabinett von Gesundheitskommissar Andriukaitis und Frau Sabine Kossebau vom Referat Gesundheit der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der EU.
 

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