14.09.2015 Europa erlesen "Neubrasilien"

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14.09.2015 Europa erlesen
14. September 2015

14.09.2015 Europa erlesen "Neubrasilien"

Wenn Politik auf Polemik trifft. Eine Lesung mit dem Luxemburger politischen Schriftsteller Guy Helminger.

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Guy Helminger ist ein Freund deutlicher Worte. Ein Schriftsteller. Ein sehr politischer Schriftsteller. In der Reihe „Europa erlesen“ gab der 52-jährige Luxemburger in der Landesvertretung Nordrhein-Westfalen Auszüge aus seinem Roman „Neubrasilien“ zum Besten – einem brandaktuellen Lesestoff über zwei Fluchtbiografien: Da wandern luxemburgische Bauern im Jahr 1828 nach Brasilien aus, und 170 Jahre später fliegt das Mädchen Tiha mit montenegrinischen Flüchtlingen vom Balkan nach Luxemburg. Zweimal geht es um eine erträumte Zukunft und die ernüchternde Gegenwart. Um das Schicksal von Flüchtlingen. Unprätentiös und sehr geradeaus erzählt Helminger die Geschichte seiner Protagonisten, er liebt klare Charaktere und auch sonst keinerlei Umständlichkeiten. Brasilien, Balkan, Braake, Bremen: Wie ein roter Faden ziehen sich seine Menschheits-Betrachtungen durch den Roman. Ummalt von den ausdrucksstarken Gitarrensoli des Berliner Meisterschülers Jurek Föllmer.

Hätte er es dabei belassen, wäre Helmingers Lesung gleichsam die literarische Ergänzung des Polit-Alltags von Dr. Angelica Schwall-Düren geworden, der Europa- und Bundesministerin von Nordrhein-Westfalen. Sie hatte eingangs eindringlich für Mitgefühl und Solidarität in Europa geworben – erst recht und vor allem angesichts der Flüchtlingsdramen der Syrer und des Strebens der Balkanbürger nach einer besseren Zukunft.  Doch Helminger setzte  seiner Lesung eine scharfe Polemik auf: Europa habe mit dem verfehlten Management der Griechenlandkrise sich selbst und seinen Werten den Todesstoß versetzt und die Bürger des ganzen Kontinents vergrätzt. Europa verantworte die Entmoralisierung und Entdemokratisierung, indem seine Akteure und Institutionen dem ohnehin ungezügelten Kapitalismus freie Bahn gelassen hätten. Freilich eine flammende Polemik; aber eine sehr politische. Und weil Politiker in Regierungsverantwortung Polemik wohl erkennen, sich selbst aber der Lust an ihr nicht hingeben dürfen, hielt Ministerin Schwall-Düren ein ebenso flammendes Plädoyer für Europa, für gemeinsame Werte – für jene Solidarität und Empathie eben, die keinen Defätismus vertragen. „Europa ist manchmal anstrengend, aber niemand sollte deshalb die Grundpfeiler aufkündigen und sich über diese erheben.“

Der Literatur-Abend also, an dem Politik so unversehens auf Polemik traf, zog das Publikum in den Bann. Es hätte eine Stecknadel zu Boden fallen hören können. So spannend ist Lesen, Europa, Politik und die Serie „Europa erlesen“ in der Landesvertretung NRW. Das nächste Mal am 23. November mit der Schriftstellerin Gila Lustiger.

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